|
Die Schüler der Klasse 10b der Ratsschule erwarteten am
Dienstagmorgen um 8 Uhr einen besonderen Gast. André Berghegger ehrte zu
dieser frühen Stunde die Schülerin Ümmügülsüm Batman. Sie sicherte sich
im deutschen Finale der „Türkisch-Olympiade“, einem künstlerischen
Bühnenwettbewerb in Berlin, den dritten Platz.
Die Überraschung muss bei Mitschülern und Lehrern riesengroß gewesen
sein, als Ümmügülsüm Batman plötzlich für ein Statement in den
Tagesthemen zu sehen war, und das sogar über die „Deutsche Welle“ über
Europa hinaus. In der Schule informierte sie nur zwei Freundinnen über
ihre Teilnahme an der „Türkisch-Olympiade“. Bei diesem Bühnenwettbewerb
treten Jugendliche in unterschiedlichen künstlerischen Kategorien in
türkischer Sprache gegeneinander an. Klammheimlich hatte sie sich
über Dortmund und Paderborn, wo sie das Deutschland-Halbfinale gewann,
ins deutsche Finale gearbeitet. Und dann trat sie an einem Märzsamstag
in den Osterferien im Tempodrom in Berlin auf, wo sonst die Größen des
Showgeschäfts auf der Bühne stehen. Mit dem überzeugenden Vortrag des
Gedichts „Kardelen“ von Nurullah Pasalioglu holte sie sich den dritten
Preis in einem Wettbewerb, der in der Türkei jährlich als nationales
Großereignis gilt. „Was haben wir als Schule eigentlich dazu
beigetragen? Etwa einen Kurs ‚Wie werde ich Superstar?‘ haben wir
nicht!“ Schulleiter Joachim Riedel lobte in seiner Begrüßung die gelebte
Integration der jungen Schülerin sowie ihr bescheidenes und
freundliches Auftreten. Und dann wurde es ganz still in der Klasse, als
über „Youtube“ noch einmal ihr Auftritt zu sehen war. Professionell und
sicher, als stünde sie ständig auf der Bühne, emotional und anrührend
interpretiert Ümmügülsüm vor 3000 Menschen das Gedicht „Kardelen“, auf
deutsch „Schneeglöckchen“ in ihrer türkischen Muttersprache. Es ist ein
Gespräch mit einer Blume von jemandem, der seine Heimat verlässt und
niemanden sonst zum Reden hat. André Berghegger beglückwünschte
Ümmügülsüm Batman zu ihrem Auftritt in Berlin. „In Hannover tritt die
erste Ministerin türkischer Herkunft ihr Amt an, das heißt, in
Deutschland steht alles offen für Menschen mit Migrationshintergrund“,
sagte der Bürgermeister und weiter: „Migration lebt vom Kennenlernen und
Mitmachen.“ Auf die Frage, ob sie türkische Schulen für nötig halte,
wie der türkische Ministerpräsident sie fordere, antwortete Ümmügülsüm:
„Nein, ich fühle mich in der deutschen Schule sehr wohl.“ Schon in den
Tagesthemen hatte sie sehr offen und mutig gesagt: „Mir ist die deutsche
Sprache sehr wichtig, genauso wichtig wie die türkische, weil wir hier
in Deutschland leben und damit ich mich auch mit meinen deutschen
Freunden unterhalten kann.“ U nd dann erzählt Ümmügülsüm von ihrer
Teilnahme an der „Türkisch-Olympiade“, die von dem Frankfurter Academy
Verein für Bildungsberatung e.V. organisiert wird. Begeistert berichtet
sie vom Kauf ihres Kleides für Berlin, von ihrem Aufenthalt in der
Hauptstadt, von einer spontanen Generalprobe mit Kameras am Tag vor
ihrem großen Auftritt und dass ihre Abendfrisur eigentlich ganz anders
aussehen sollte. „Meine Familie ist sehr glücklich, dieser
Auftritt wird immer ein Highlight meines Lebens bleiben, das werde ich
nie vergessen“, schließt Ümmügülsüm ihre Ausführungen völlig uneitel und
lächelt.
Meller Kreisblatt http://www.mkr-net.de/preexport_startseite/25256097.html
|